Werke 2021 – Projekt Portrait einer historischen Persönlichkeit

Portrait-Projekt: Im Februar 2021 rief der ZONTA Club Potsdam, Teil eines internationalen Netzwerks. In Deutschland treffen sich ca. 4000 Frauen in 36 Clubs um sich für Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Förderung von Frauen stark zu machen und natürlich auch um sich gegenseitig zu inspirieren und zu unterstützen (www.zonta-potsdam.de), zehn Potsdamer Künstlerinnen auf, zehn Potsdamer Frauen aus der Geschichte in ihrer Art zu portraitieren. Ich entschied mich für Frédérique Auguste Emilie O’Connell, geb. Miethe. Zur Verfügung stand mir lediglich ein Schwarz-weiß-Portrait. Das Portrait musste innerhalb von zehn Tagen fertig sein. Es machte mir großen Spaß, Friederike in meiner Art zu interpretieren. Aus den Werken wurden letztendlich zehn Postkarten gestaltet, die zur Unterstützung des Autonomen Frauenzentrums verkauft werden (sehr zu empfehlen: ein tolles Set für nur 15,00 € – zu beziehen über den Zonta-Club)

Portrait, Katrin Seifert, Friederike Miethe
Friederike Emilie Auguste Miethe/Frédérique Émilie Auguste O’Connor (1822-1885) [Acryl auf Tengucho auf Leinwand, 40×30 cm im handbemalten Holzrahmen, 02-2021]

Gedanken zum Prozess: Portrait von Frédérique Émilie Auguste O’Connell, geb. Emilie Friederike Auguste Miethe in Potsdam (1822-1885)

Eine junge Frau guckt mich selbstbewusst an. Ich schätze sie so auf 30. Aufrecht steht sie mit verschränkten Armen da. Erst dachte ich, sie sei eine Mexikanerin. Das Haar wird durch einen Haarreifen oder ein Tuch gebändigt. Auf dem einzigen schwarz-weißen Foto von ihr ist ihre Haarfarbe nicht richtig zu erkennen. Ich entscheide mich für Braun. Haarbänder luken hervor.  Als ich dann dazu noch lese, dass sie Malerin war, hatte ich meine Entscheidung getroffen: Diese Frau wollte ich malen!

Imposant schien mir ihre Robe: Ein weit geschnittener mit auffälliger Schulterklappe und großer Kapuze versehener Wettermantel umhüllte locker ihre wohlgenährte Figur. Schlecht schien es ihr nicht zu gehen, als Tochter eines Potsdamer Schokoladenfabrikanten und Pfefferküchlermeisters.

Sie war weit herum gekommen und hinterließ als Malerin Eindruck: Berlin, Brüssel, Paris, Rom und ließ sich schließlich in Paris nieder. Eine Frau, die wusste, was sie wollte. In der 2. Mitte ihrer 30er Jahre richtete sie in Paris einen Kunstsalon ein, in dem sich illustre Persönlichkeiten trafen. 

Auch setzte sie sich für Frauen und deren Gleichberechtigung ein.

Diese Frau wollte ich mit meiner Persönlichkeit malen! Das schwarz-weiß Foto gab keine Farben wider. Ich überlegte, welche zu ihr passen könnten. Spannend fand ich, jemanden durch die eigene Künstlerpersönlichkeit zu malen, beide Persönlichkeiten in einem Bild zu vereinen. Was zeichnet also mich aus? Bekannt bin ich durch meine Liebe zu Farben. Ich greife tatsächlich gern in den Farbtopf, ob auf Bildern oder auch an mir. Meine Lebensfarbe ist Orange. Orange sah ich bei Friederike jedoch nicht, eher Grün im Mantel. Ihre Haut wirkte auf mich oliv-gelb. Also wählte ich Lasur-Ocker als Grundstimmungsfarbe. Um in dem Ganzen eine Orientierung zu haben, markierte ich den Hintergrund mit der Kontrastfarbe Lasur-Lila. Okay. Doch das Bild sprach noch nicht zu mir, war mir zu unpersönlich. Also griff ich in meinen Methodenkoffer und holte Tengucho hervor. Viele meiner Bilder wurden damit gestaltet: einem Washi, also Japanpapier, das dem Trägermaterial eine 3-D-Struktur gibt. Damit hatte ich mir Friederike angeeignet.

Bei Itten suchte ich mir die entsprechenden Farbklänge zusammen: Weiß – Ocker – Orange – Türkis – Grün. Umbra gebrannt natur sollte mir zum Abdunkeln dienen. Ich trug  Lasuren auf.

Im Zwiegespräch gestaltete ich nach und nach ihre Haare, ihr Gesicht, ihre Robe, eine Kette. Es war eine Arbeit, die mir großen Spaß machte. Friederike konnte u.a. Historienbilder malen und Radierungen anfertigen, beides galt damals als Männerdomäne. Sich als Frau in diesen Zeiten durchzusetzen und einen Platz zu erobern, dies fand meine Bewunderung. Ihre Bilder wurden als kraftvoll und ausdrucksstark beschrieben. Zwar beherrsche ich selber nicht dieses genaue Malen der damaligen Zeit, doch portraitiere ich selber gerne und sehe meine Bilder ebenfalls als energievoll an.

Ich wollte ihr mit meinen Farben ein Gesicht geben, ihren Stolz darstellen und ihre Stärke, auch, um diese Fähigkeiten an die BetrachterInnen weiter zu geben.

Katrin Seifert

17.02.21